Was kostet Security Awareness in der Schweiz?
- JW

- 20. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Security Awareness kostet in der Schweiz je nach Format zwischen wenigen hundert Franken für ein Quiz mit Bordmitteln und 50'000 Franken oder mehr pro Jahr für ein umfassendes Programm mit Plattform, Kampagnen und Workshops. Ein einzelner Keynote-Vortrag bewegt sich typischerweise im Bereich von CHF 3'000 bis 8'000, ein halbtägiger Workshop bei CHF 2'500 bis 6'000, und E-Learning-Plattformen verrechnen meist CHF 15 bis 50 pro Mitarbeitendem und Jahr. Die ehrliche Antwort lautet aber: Die Formatkosten sind der kleinere Teil der Rechnung. Entscheidend ist, ob das Geld Verhalten verändert oder nur Absolvierungsquoten produziert.
Die Kosten im Überblick, nach Format
Format | Typische Kosten (Schweiz) | Wofür es sich eignet |
Quiz / interner Anlass mit Bordmitteln | CHF 0 bis 1'000 | Einstieg, Aufmerksamkeit schaffen |
E-Learning-Plattform (KnowBe4, SoSafe u.ä.) | CHF 15 bis 50 pro Person/Jahr | Grundwissen skalieren, Compliance-Nachweis |
Phishing-Simulationen | CHF 5 bis 15 pro Person/Jahr | Messpunkt, kein Training für sich allein |
Keynote / Vortrag (extern) | CHF 3'000 bis 8'000 pro Auftritt | Aufmerksamkeit, Kulturimpuls, Events |
Workshop halbtags (extern) | CHF 2'500 bis 6'000 | Verhalten üben, Zielgruppen vertiefen |
Awareness-Tag / Event mit spielerischen Formaten | CHF 5'000 bis 15'000 | Breite Belegschaft aktivieren |
Planspiel / Serious Game / Escape Room | CHF 8'000 bis 25'000+ | Nachhaltige Einstellungsänderung |
Jahresprogramm (Strategie, Kampagnen, Formate, Messung) | CHF 20'000 bis 60'000+ pro Jahr | Sicherheitskultur systematisch aufbauen |
Zur Einordnung: Ein KMU mit 50 Mitarbeitenden kommt mit einer Kombination aus einem Awareness-Tag und zwei kurzen Folgeimpulsen auf etwa CHF 8'000 bis 12'000 im Jahr. Ein Finanzinstitut mit mehreren hundert Mitarbeitenden, Plattform, Kampagnen und Workshops liegt schnell im mittleren fünfstelligen Bereich.
Welche Faktoren den Preis bestimmen
Anzahl Mitarbeitende. Plattformen skalieren pro Kopf, Live-Formate pro Durchführung. Ab einer gewissen Grösse ist ein Vortrag pro Kopf günstiger als jedes E-Learning.
Individualisierung. Ein Vortrag von der Stange kostet weniger als einer, der mit echten Beispielen aus dem Unternehmen arbeitet. Der Unterschied zeigt sich in der Wirkung: Menschen erinnern sich an Geschichten aus ihrem Alltag, nicht an generische Stockfoto-Szenarien.
Frequenz. Awareness ist kein Ereignis, sondern ein Rhythmus. Ein einzelner Grossanlass pro Jahr verpufft, mehrere kleine Impulse halten das Thema wach. Das verändert die Budgetlogik: lieber CHF 15'000 verteilt über das Jahr als CHF 15'000 für einen einzigen Tag.
Messung. Nullmessung, Verhaltens-Kennzahlen und Folgemessung kosten Aufwand, sind aber der einzige Weg zu wissen, ob das Budget wirkt. Programme ohne Messkonzept sind günstiger und genau darum oft teurer: Sie laufen jahrelang weiter, ohne dass jemand weiss, ob sie etwas bringen.
Die versteckten Kosten, über die niemand spricht
Die Rechnung des Anbieters ist nur die halbe Wahrheit. Dazu kommen:
Arbeitszeit der Mitarbeitenden. 30 Minuten E-Learning für 200 Mitarbeitende sind 100 Arbeitsstunden. Bei einem Vollkostensatz von CHF 80 bis 120 pro Stunde ist die "günstige" Plattform plötzlich ein CHF 10'000-Posten, pro Durchgang. Kurze, gute Formate sparen hier mehr, als sie kosten.
Interner Koordinationsaufwand. Kampagnen brauchen jemanden, der sie treibt: Kommunikation, Terminfindung, Nachfassen. Realistisch sind 5 bis 15 Stellenprozente, je nach Programmgrösse.
Die Kosten des Scheiterns. Ein Programm, das als langweilige Pflichtübung wahrgenommen wird, kostet doppelt: das Budget und die Glaubwürdigkeit des Themas. Der zweite Anlauf ist immer teurer als der erste.
Und was kostet keine Security Awareness?
Die Gegenrechnung: Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) verzeichnet Jahr für Jahr steigende Meldezahlen zu Cybervorfällen, und die grosse Mehrheit der erfolgreichen Angriffe beginnt beim Menschen, mit Phishing, CEO-Fraud oder anderen Formen von Social Engineering. Ein einziger erfolgreicher CEO-Fraud kostet Schweizer Unternehmen regelmässig fünf- bis sechsstellige Beträge, dazu kommen Betriebsunterbrechung, Wiederherstellung und Reputationsschaden. Gemessen daran ist selbst ein umfassendes Jahresprogramm eine Versicherung mit sehr tiefer Prämie.
Wie du dein Budget sinnvoll aufteilst
Eine bewährte Faustregel für den Einstieg:
50% für wiederkehrende Impulse über das Jahr (Kampagne, Kurzformate, interne Kommunikation), denn Frequenz schlägt Einmaligkeit.
30% für ein Schwerpunktformat mit Tiefenwirkung (Workshop-Reihe, Planspiel, Awareness-Tag), abgestimmt auf die grösste Schwachstelle aus der Nullmessung.
20% für Messung und Steuerung, damit das Budget im Folgejahr dorthin fliesst, wo es nachweislich wirkt.
Was du dir sparen kannst: das teuerste Tool zu kaufen und zu hoffen, dass es die Arbeit macht. Technik ohne Psychologie produziert Absolvierungsquoten, keine Sicherheitskultur.
Häufige Fragen
Was kostet ein Security Awareness Vortrag in der Schweiz?
Für eine professionelle externe Keynote sind CHF 3'000 bis 8'000 üblich, abhängig von Individualisierung, Dauer und Erfahrung der Referentin oder des Referenten. Stark massgeschneiderte Auftritte mit Vorbereitung auf das Unternehmen liegen darüber.
Reicht ein günstiges E-Learning für KMU?
Als Compliance-Nachweis ja, als Verhaltensänderung selten. Für KMU ist die Kombination aus einem Live-Impuls (Vortrag oder Awareness-Tag) und wenigen, kurzen Folgeimpulsen meist wirksamer und pro Wirkung günstiger als eine Plattform, die niemand ernst nimmt.
Lohnt sich ein externer Anbieter oder machen wir es intern?
Interne Umsetzung spart Honorare, kostet aber Arbeitszeit und oft Wirkung, weil der Prophet im eigenen Land wenig gilt. Bewährte Mischung: extern für Impuls, Konzept und Messung, intern für die laufende Kommunikation.
Sind die Kosten für Security Awareness Pflicht oder freiwillig?
Je nach Branche zunehmend Pflicht: ISO 27001 verlangt Awareness-Massnahmen, regulierte Branchen (FINMA-unterstellte Institute) ebenso, und wer mit EU-Kunden arbeitet, kommt über NIS2 und DORA indirekt ebenfalls in die Pflicht. Budgetieren ist also keine Kür mehr.
Über die Autorin
Jill Wick ist Wirtschaftspsychologin und Security-Awareness-Spezialistin aus der Schweiz. Sie entwickelt Keynotes, Workshops und spielerische Programme, die Verhalten verändern statt Quoten zu produzieren.



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